Pilotprojekt Smart Powerline

Projektbeschreibung

Im Pilotprojekt „Smart Powerline“ untersucht die LEW Verteilnetz GmbH (LVN), ob eine Datenübertragung über Stromfreileitungen – ähnlich wie bei einem Telefonkabel – möglich ist. Konkret geht es darum, Daten aus intelligenten Messsystemen über ganz normale Stromfreileitungen an eine Datenschnittstelle zu übermitteln. Seit dem Frühjahr 2016 läuft dazu eine Testphase mit ausgewählten Haushalten in der Adalbert-Stifter-Siedlung in Gersthofen.

© LEW / Christina Bleier

© LEW / Christina Bleier

Die Zwischenergebnisse der Testphase sind sehr positiv: Mit rund 6 Mbit/s, selbst an technisch ungünstigen Positionen, lag die Bandbreite deutlich höher als erwartet. Die Verfügbarkeit lag im Schnitt bei mehr als 99 Prozent. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Daten aus den Haushalten stabil über das örtliche Stromnetz übertragen werden können – und zwar besser, als wir zunächst gedacht hatten“, erklärt Stefan Edtbauer, Leiter des Pilotprojekts. „Das bedeutet: wenn in Zukunft viele Haushalte mit intelligenten Messsystemen ausgestattet sind, können die vorhandenen Stromleitungen eine tragende Rolle bei der Datenübertragung übernehmen – ohne zusätzliche Leitungen aufzubauen.“

Projektbegründung

Im Zuge der Energiewende sollen intelligente Netze in das deutsche Stromversorgungssystem integriert werden, die nicht nur Strom transportieren und verteilen, sondern auch das nötige Gleichgewicht zwischen Erzeugern und Verbrauch sicherstellen können. Das Gesetz „Digitalisierung der Energiewende“ des Bundeswirtschaftsministeriums regelt in diesem Rahmen den Einbau moderner Messeinrichtungen, bzw. intelligenter Messsysteme in deutsche Verbraucherhaushalte. Demnach sollen Haushalte mit einem Stromverbrauch größer 10.000 kWh/Jahr ab 2017 und Haushalte mit einem Verbrauch im Bereich von 6.000 bis 10.000 kWh/Jahr ab 2020 mit einem Messsystem ausgestattet werden. Auch der Einbau intelligenter Messsysteme bei Erzeugungsanlagen wird stufenweise ab 2017 (Einspeiseleistung > 7 kW) erfolgen.

 

© LEW / Michael Hochgemuth

Im Unterschied zu herkömmlichen Stromzählern verfügen intelligente Messsysteme über eine zusätzliche Kommunikationseinheit, die es ermöglicht, Verbrauchswerte zu erfassen und zu übermitteln. Auf diese Weise sollen Verbraucher einen detaillierten Einblick in ihren Stromverbrauch erhalten. Die neuen Zähler sollen damit helfen, Energie effizienter zu nutzen. Sie sollen auch Basis für variable Stromtarife sein. Ziel ist es außerdem, die Planung und Steuerung des Stromnetzes durch die neuen Stromzähler zu erleichtern.

Als zuständiger Messstellen- und Netzbetreiber ist LVN nicht nur für den Einbau der intelligenten Messsysteme in den Haushalten, sondern ebenso für die Datenübertragung verantwortlich. Das Projekt „Smart Powerline“ prüft, wie die technische Anbindung der neuen Stromzähler vor Ort gestaltet werden kann. Derzeit wird die Langzeitstabilität des Übertragungsnetzes getestet. Die endgültigen Ergebnisse des Pilotprojekts erwartet LVN dann Anfang nächsten Jahres.

© LEW / Michael Hochgemuth

Die Adelbert-Stifter-Siedlung wurde aus netztechnischen Gründen und aufgrund ihrer geographischen Nähe zu mehreren Standorten der LEW-Gruppe für das Pilotprojekt ausgewählt. Alle beteiligten Haushalte erhalten nach dem Gesetz in den kommenden Jahren ein intelligentes Messsystem.